★ Kursstart am Mittwoch, 7. Januar! ★ Workshops mit Carlos Cisneros am SA, 17. Januar! ★ Neu anfangen? Der Einstieg ist im Februar 2026 jeden Donnerstag möglich!

Tango Facetten

Workshops & Specials sowie Gastlehrer zu besonderen Themen. Der Tango ist ein weites Feld. Über einen gemeinsamen Nenner hinaus umfasst er eine Vielzahl von Herangehensweisen, Stilen, Figuren, musikalischen Möglichkeiten. Jede/r tanzt anders! Durch besondere Workshops und Kursreihen findet Ihr Angebote und Wege zu Eurem persönlichen Stil.


Interview mit Carlos Cisneros & Juan Segui

Nach einem mitreissenden Auftritt stellte ich den beiden im Dezember 2025 ein paar Fragen. Hier die deutsche Übersetzung.

Wie begann euer Weg in den Tanz – und was führte euch schließlich zum Tango?
  • Carlos: Meine tänzerische Ausbildung begann mit dem argentinischen Folkloretanz. Erst danach widmete ich mich - eher formorientiert - dem Tango. Mit der Zeit spürte ich jedoch, dass ich mehr Raum brauchte, um mich künstlerisch ausdrücken zu können. Der Tango – so umfassend er auch ist – reichte mir nicht allein. Also begann ich, mich auch im Jazztanz, Ballett und Schauspiel auszubilden. In diesem Prozess der künstlerischen Weiterentwicklung begegnete ich mit tieferem Interesse dem Queer Tango.
  • Juan: Schon als Kind rebellierte ich gegen die etablierten Normen. Mein Weg war eher multidisziplinär: Ich machte Turnen, tanzte Schultango, aber wirklich gefesselt hat mich im Alter von dreizehn Jahren die Welt von Musical, Cabaret und Zirkus. Das öffnete mir viele Türen. Ich begann, mich gleichzeitig in unterschiedlichen Disziplinen auszubilden und bewusst nach Projekten zu suchen, die mich herausforderten – ohne Angst, Risiken einzugehen. So war es für mich ganz natürlich, dass ich schließlich beim Queer Tango landete.
Welche anderen Tanzformen haben euch geprägt oder beeinflusst?
  • Carlos: Jazztanz und Ballett waren definitiv grundlegend. Es geht nicht nur darum, Technik zu lernen, sondern verschiedene Arten zu verstehen, einen Körper zu bewohnen, verschiedene Bewegungslogiken zu erfassen. Jede Tanzform hat ihre eigene Philosophie. Der Tango ist eine Sache für sich, aber wenn du ihn mit anderen Sprachen in Verbindung bringst, fängt er an, auf neue Weise zu sprechen.
  • Juan: Für mich waren es das Cabaret, Burlesque und der Zirkus, die einen Wendepunkt bedeuteten. Das Turnen gab mir eine starke körperliche Basis, aber die Performance-Möglichkeiten im Cabaret haben mir gezeigt, dass der Körper auch ein Mittel ist, um Geschichten zu erzählen, mit Sinnlichkeit, Humor und visuellen Reizen zu spielen. Der Zirkus zeigte mir schließlich, dass alles möglich ist, wenn man es aus Freiheit und Kreativität heraus denkt.
Wie habt ihr den Bühnenstil/Escenario gelernt? Welche Einflüsse waren entscheidend?
  • Carlos: Den Bühnentango lernte ich als ich anfing, all die Disziplinen, von denen ich gerade sprach, miteinander zu verbinden. Die Erkenntnis hatte ich in Europa. Um 2022 oder 2023 tanzte ich mit einem Freund zum Geldverdienen auf der Straße und da fing ich an, Tango anders zu sehen. Auch das Folgen zu lernen, nicht nur Führender zu sein, war fundamental, um als Bühnenkünstler zu wachsen. Das gibt dir eine Ganzheitlichkeit, die das Führen allein nicht geben kann.
  • Juan: Mein erster Kontakt mit einer queeren Milonga war La Marshall, was für mich wie ein Zuhause war. Von Kindheit an tanzte ich Salontango mit Frauen, später lernte ich die Körpersprache des Tangos von älteren Männern. Aber diese queeren Milongas waren meine glücklichsten Nächte. Dann verstand ich, dass Bühnentango nicht nur Technik ist, sondern Freiheit. In der späteren Zusammenarbeit mit Carlos schliesslich konnten wir den Tango vor allem mithilfe des Cabaret und Burlesque für die Bühne transformieren.
Wie habt ihr euch kennengelernt – auf der Bühne, in einer Milonga oder anderswo?

In der queeren Szene in Buenos Aires. Wir begegneten uns an Orten, an denen wir beide dasselbe suchten: die Grenzen des Tangos zu erweitern und neue Ausdrucksformen zu erforschen. Als wir uns trafen, erkannten wir sofort im anderen eine verwandte Vision, ein Verlangen, über das Konventionelle hinauszugehen.

Was inspiriert euch am jeweils anderen?
  • Carlos: Was mich an Juan inspiriert, ist seine absolute Freiheit. Er hatte nie Zweifel daran, mit Männern zu tanzen oder sich ohne Einschränkungen auszudrücken. Ich kam mit mehr innerem Widerstand zum Queer Tango, mit anfänglicher Scham. Juan dabei zu sehen, wie er sich so selbstbewusst bewegt, mit seinem Körper spielt, Akira erschafft – das hat mir gezeigt, was möglich ist. Durch ihn bin ich im Cabaret, Burlesque und Zirkus gewachsen. Er hat mich in diese Welten mitgenommen.
  • Juan: Was ich an Carlos bewundere, ist seine Hingabe und seine künstlerische Tiefe. Er verkörpert die klassische Tangotradition, die technische Strenge, aber auch eine große Verletzlichkeit. Das bildet einen wunderbaren Kontrast zu meiner rebellischeren, verspielteren Seite. Zusammen entsteht daraus eine funktionierende künstlerische Spannung. Es ist, als würde meine unbändige Freiheit seine Wurzeln brauchen – und seine Wurzeln wiederum meine Freiheit.
Bereitet ihr gerade eine neue Show gemeinsam vor?

Ja, natürlich. Wir arbeiten an unserer Tour für das kommende Jahr. Die Shows 2025 waren großartig, aber dieser Zyklus ist nun abgeschlossen. Jetzt möchten wir unsere Auftritte auf weitere deutsche Städte ausweiten und die Zusammenarbeit mit den Tango-Organisationen fortsetzen, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben. An dieser Stelle möchten wir auch allen Milongas in Deutschland danken, die sich auf unser provokantes, frisches Konzept eingelassen haben. Wir wollen weiter wachsen, uns selbst überraschen – und natürlich auch das Publikum. Es gibt noch so viel zu entdecken an der Schnittstelle zwischen Tango, Cabaret und Performance.

Vielen Dank für das Interview, Carlos Cisneros und Juan Segui / Akira Boylesque!

Offene Kursreihe mit Sarah Mirren & Martin Klett

360° TANGO: Musik & Tanz

360_Tango_Musik

Tangomusiker meets Tanzlehrerin!

Was hören wir da eigentlich genau? Und wie kann ich das konkret umsetzen?

Damit befassen wir uns in dieser Reihe. Haltet Euch hier auf dem Laufenden über die nächsten Themen & Kurstermine, oder abonniert meinen Newsletter über Kontakt.

Martin Klett ist Tangotänzer und professioneller Musiker. Er ist Initiator des Cuarteto SolTango


Unsere bisherigen Themen waren:

  • Januar 2023: Raffinierte Rhythmen
  • Februar 2023: Makrostrukturen
  • März 2023: Zwischenspiele
  • März 2023: Magische Momente in der Musik
  • April 2023: Fließen & Strömen
  • 1) Giros mit Sacadas für mittleres Niveau
  • 2) Calesitas & Cadenas für Fortgeschrittene
  • September 2023: Pugliese. Extremes Tanzen.
  • 2024: Voleos Niveau I & II
  • 2024: Ganchos Niveau I & II
  • 2025: Winzig, but WOW

Die Tangomusik

Die Tangomusik ist wie ein eigener Kosmos voller Kontraste und Extreme. In ihr begegnen sich Melancholie und unbändige Dramatik, Romantik und Tragik, aber auch Lebensfreude und Charme. Die Musik schöpft aus dem ganzen Spektrum menschlicher Gefühle. Die Musik, zu der wir tanzen, kommt überwiegend aus der Goldenen Ära des Tangos (ca. 30er bis 50er Jahre). Allein in den 40er Jahren gab es mehrere hundert Tangoorchester in Buenos Aires! Der Reichtum an großartigen Aufnahmen, der uns aus dieser Zeit überliefert ist, inspiriert bis heute Tangotänzer/innen auf der ganzen Welt zu magischen Momenten.

Sarah_Martin